Windsäcke und Ohrfeigen erwarteten die elf Schülerinnen und Schüler der Dreiberg-Schule Knetzgau, die sich auf das Abenteuer eines Schüleraustausches mit der südostfinnischen Partnerschule Pertunmaan yhtenäiskoulu eingelassen hatten. Mit ihren Lehrerinnen Teresa Lang und Isabella Reder, sowie den Begleitpersonen Vera Paulus und Manfred Glass lernten sie viel von der finnischen Kultur und Lebensweise kennen.FI16 Die Austauschschüler 2016

Um in den rund 2000 Einwohner zählenden Ort Pertunmaa zu kommen, war eine längere Anreise nötig. Mit dem Gemeindebus ging es zunächst nach München zum Flughafen. Der Flug von München nach Helsinki-Vantaa dauert etwa zweieinhalb Stunden. Dort wartete dann schon der Bus der Gemeinde Pertunmaa um die Gruppe abzuholen und nach weiteren drei Stunden Fahrt durch die herrliche finnische Landschaft an der Schule abzusetzen.

Für einige der Knetzgauer Schüler gab es an der Schule in Pertunmaa dann ein freudiges Wiedersehen, denn manche der finnischen Schüler waren im Jahr zuvor schon zu Besuch in Knetzgau gewesen. Aber auch alle anderen wurden herzlich empfangen und in der Mensa der Schule gab es erst einmal eine Stärkung, bevor die Gasteltern ihre Schützlinge abholten.

Die finnischen Lehrerinnen Niina Järvinen (Deutsch) und Pirkko Kuisma (Englisch), sowie Schulleiterin Sari Mäkeläinen hatten zusammen mit ihren Kollegen ein interessantes Programm zusammengestellt. Nach einem Rundgang durch die Schule stand die erste Unterrichtsstunde auf dem Plan: Finnisch. Die finnischen Schüler hatten mit Bild- und Wortkarten einen Parcours aufgebaut, in dem die Knetzgauer die finnischen Wörter für die Zahlen, die Farben, für Tiere und für typische Gerichte lernen konnten. Bei späteren Spielen wurden dann durchaus auch statt „eins-zwei-drei“ mit „yksi-kaksi-kolme“ gezählt.

Insgesamt nahmen die Knetzgauer Schüler an zwei Tagen von 9 bis 15 Uhr am Unterricht teil. Im Englischunterricht erfuhren sie einiges über das finnische Schulsystem und die Ferienzeiten und im Deutschunterricht machten die Schüler Interviews und konnten dann ihre Interviewpartner vorstellen oder sie mussten zusammen mit ihren finnischen Mitschülern nach Zeichnungen und Pantomimen deutsche Begriffe raten, mit eindeutigem Vorteil für die Muttersprachler.

Im Hauswirtschaftsunterricht lernten sie, wie “Ohrfeigen“ hergestellt werden, so heißen die finnischen Zimtschnecken, wenn man Korvapuusti übersetzt. Im Musikunterricht nahmen die Gäste an der Probe der Schulband teil und konnten danach selbst an die Instrumente und Mikrofone. Die improvisierten Lieder konnten sich dabei durchaus hören lassen. Auch finnische Spezialitäten wurden vorgestellt. Bei Fazer-Schokolade und finnischen Piroggen gab es wenig Probleme, aber bei den Salmiakki, die die Finnen so lieben, scheuten die meisten der deutschen Schüler dann doch zurück. Lakritz ist eh nicht jedermanns Sache, aber mit Salmiaksalz gewürzt, das ist dann doch für unsere Gaumen sehr gewöhnungsbedürftig.FI16 Bogenschießen in Vierumäki

Im Kunstunterricht wurden aus den mitgebrachten Plastik-Einkaufstüten Windsäcke gebastelt. Die bunten Ergebnisse flatterten bald am Seeufer im Wind und ein besonders hübsches Exemplar durfte auch die Reise nach Knetzgau antreten. Es wird an der Dreiberg-Schule aufgehängt, wenn di e Sanierung abgeschlossen ist und kann dann die Schüler aus Pertunmaa begrüßen, die im Mai nächsten Jahres zum Gegenbesuch kommen wollen.

Viele Aktivitäten der Schule fanden draußen statt. Da die Schule unmittelbar am See liegt, sind Aktivitäten wie Rudern und Angeln in Finnland alltäglich, genauso wie das Turnen an den vielen Spielgeräten im Pausenhof von Pertunmaa. Die gemischten finnisch-deutschen Fußballmannschaften spielten ebenso gut zusammen wie die Teams beim Mölkky, einem spannenden Wurfspiel, das in Finnland sehr beliebt ist.

Einen besonderen Tag durften die Knetzgauer Schüler zusammen mit ihren finnischen Gastgebern in Vierumäki erleben. Dort befindet sich das Sport Institute of Finland, das als offizielles Trainingszentrum des finnischen Nationalen Olympischen Komitees dient. In einer der großen Sporthallen durften sich die Schüler im Bogenschießen üben und konnten nach einem reichhaltigen Mittagessen im Klettergarten ihren Mut beweisen.

Zum Abschied bereiteten die finnischen Gasteltern und die Schule ihren Gästen noch einen besonderen Abend. In einem der großen Ferienhäuser am See hatten sie ein großartiges Büffet mit Salaten und finnischen Spezialitäten aufgebaut. Bei Kaffee und Nachtisch ergaben sich dann viele Gelegenheiten zu Gesprächen. Die Knetzgauer Schüler wurden dabei überall sehr gelobt.

Der letzte Tag der Reise bot dann einen weiteren Höhepunkt. Die Hauptstadt Helsinki zeigte sich bei strahlendem Wetter von ihrer schönsten Seite. Nach einem gemeinsamen Besuch in der Felsenkirche erkundeten die Schüler in kleinen finnisch-deutschen Gruppen die Stadt, bevor es zum Flughafen nach Vantaa und ans Verabschieden ging.

FI16 Angeln am schuleigenen BootsstegZu erleben, dass man mit dem Englisch, das man in der Schule lernt, mit fremden Leuten kommunizieren kann, die eine Sprache sprechen, von der man absolut nichts versteht, ist für die Schüler eine wichtige Erfahrung. „Mit mir kannsta deutsch red!“ meinte einer der Knetzgauer zu seinem Klassenkameraden als der ihm voller Begeisterung vom ersten Abend in der finnischen Familie erzählte – auf Englisch!

Auch der Kontakt zu Gleichaltrigen in einem Land, das man wohl eher selten im Urlaub besucht, war für viele ein spannendes Erlebnis. Die vielen Gemeinsamkeiten und die kleinen Unterschiede herauszufinden, eine völlig neue Landschaft mit den unzähligen Seen und endlosen Wäldern zu sehen und zu erleben, mit welcher Herzlichkeit einen die Menschen dort aufnehmen, wird für die Knetzgauer Schüler sicher ein nachhaltiger Eindruck bleiben.

Ein solcher Schüleraustausch erfordert neben viel Arbeit und Engagement allerdings auch einen finanziellen Aufwand, der die Möglichkeiten der meisten Eltern übersteigt. Umso erfreulicher ist es, dass es Sponsoren gibt, die diese Begegnung möglich machen. Neben dem finnischen Unternehmen UPONOR in Haßfurt haben auch Knetzgauer Unternehmen wie die Firma Koppitz und Landmaschinen Schmidt einen wertvollen Beitrag geleistet. Auch die Gemeinde Knetzgau und der Förderverein der Dreiberg-Schule haben mitgeholfen, den Schüleraustausch möglich zu machen.

Weitere Informationen:

Bericht zum Schüleraustausch 2015: Schüleraustausch Finnland
Artikel in der Mainpost zum Vorbesuch in Finnland
Artikel bei in Franken.de zum Vorbesuch in Finnland
Artikel der Mainpost zum Gegenbesuch der finnischen Lehrer
Artikel der Mainpost über den Besuch eines finnischen Reporters an der Schule